Mieke ist FJBlerin bei der TINCON. Auf der TINCON Hamburg hat sie sich unter unseren Gästen umgehört: Was beschäftigt die 13- bis 25-jährigen gerade am meisten?
55% der Jugendlichen würden sich selbst als politisch interessiert bezeichnen und 51% informieren sich aktiv über politische Ereignisse, so die Shell Jugendstudie von 2024. Trotzdem glauben nur etwa 20%, dass ihre Anliegen in der Politik wirklich ernst genommen werden. Junge Menschen fühlen sich nicht repräsentiert, obwohl sie bei aktuellen politischen Debatten im Mittelpunkt stehen sollten. Bei Entscheidungen über eine Wehrpflicht für alle, die nach 2006 geboren wurden, Diskussionen über ein potenzielles Handyverbot für unter 16-jährige und Kürzungen von Kulturangeboten wie dem Kulturpass, bleiben unsere Meinungen außen vor – obwohl gerade wir von diesen Maßnahmen direkt betroffen sind.
“Politik verwirrt mich, man weiß gar nicht, in welche Richtung das geht. Die Gesellschaft spaltet sich immer mehr, wir sollten mehr für ein Miteinander kämpfen und nicht für ein Auseinander.”
Was beschäftigt junge Menschen gerade?
Auf der TINCON in Hamburg habe ich andere Jugendliche gefragt, was gerade eigentlich wirklich in ihren Köpfen abgeht. Was sind die Themen, die gerade wichtig sind?
Sie konnten vor Ort ihre Meinung teilen:
Anonym auf Zetteln,
mit Klebepunkten auf einer Umfragetafel,
oder offen in unsere Kamera.
Und ihre Stimmen waren laut.
Die wichtigsten Themen für viele: Politik und Schule.
An beiden Veranstaltungstagen hat man gemerkt: Wir sind frustriert.
Denn die momentane Politik hat eine viel ältere Zielgruppe, das bekommt man fast täglich zu spüren. Fast 60% der Wähler*innen in Deutschland sind über 50 Jahre alt, junge Menschen sind hier also eine Minderheit. Wahlberechtigte unter 30 Jahren machen gerade mal 13% der Bevölkerung aus, die Gruppe der 18-20-jährigen nur 2,4%.
Viele der Jugendlichen, mit denen ich gesprochen habe, zählen nicht mal zu dieser minimalen Prozentzahl, denn sie sind unter 18 und nicht wahlberechtigt. Durch diese Ungerechtigkeit und das Gefühl, ignoriert zu werden, entsteht zum einen Unsicherheit: Vertrauen in die Politik ist dadurch schwierig und es fühlt sich nicht so an, als würden wir dazu gehören. Zum anderen entsteht der Eindruck, keinerlei Selbstwirksamkeit zu haben. Wir scheinen keinen Einfluss auf Politik nehmen zu können.
“Die aktuelle politische Lage macht mich sauer. Die Welt ist ganz schön ungerecht!”
Die Jugendlichen auf der TINCON Hamburg beantworteten uns die Frage “Was ist ein Gedanke, der dich gerade beschäftigt” mit:
“Kann man ein Leben ohne Sorgen führen?”,
“Kann man als Christ schwul sein?”,
“Wer schützt mich im aufkommenden Faschismus?”, aber auch
“Bekomme ich mein Abitur?”
Und ich kann all diese Fragen komplett nachvollziehen. Wie soll man an Schule denken können, wenn die Politik einem gerade einen dicken Strich durch die Zukunft macht? Wie soll man an Politik denken, wenn die eigene Identität gerade die größte Frage ist? Will man überhaupt über Politik und Schule nachdenken, wenn man das Gefühl hat, dass man eh nichts verändern kann?
Trotzdem habe ich in Hamburg nochmal gemerkt: Neben Frust und Unsicherheit sind junge Menschen motiviert, sich politisch zu engagieren und solidarisch zu sein. Ich hoffe, dass diese Energie in Zukunft ernster genommen wird.
“Ich engagiere mich tatsächlich sehr viel, weil es für mich eine Art Ablenkung ist. Es gibt mir die meiste Hoffnung, ich kann anderen Leuten helfen und vielleicht brauchen sie das gerade mehr als ich.”
Wir sind nicht machtlos. Ermutigt euch gegenseitig!
Politik beginnt Zuhause, Online und in der Schule. Also: Seid laut auf der Straße, protestiert und geht ins Gespräch – egal ob direkt mit Politiker*innen oder mit der Familie. Engagiert euch in Jugendparlamenten oder als Klassensprecher*innen und sorgt dafür, dass andere auch gehört werden. Kommt zur TINCON – hier könnt ihr euch im ehrenamtlichen U21-Team hinter den Kulissen ausprobieren und eure Anliegen auf die Bühne bringen (So geht's!) . Ermutigt euch gegenseitig!
Wir dürfen nicht darauf warten, bis wir die Aufmerksamkeit bekommen, die wir brauchen. Wir müssen sie uns nehmen.
(Presse-)Kontakt
Lara Henschke
Kommunikation
lara.henschke@tincon.org
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