Hamburg, 1. Oktober 2025 “Es gibt einem total viel Kraft, dass man sieht, was man alles bewirken kann”, sagt Luca Piwodda, mit 26 Jahren einer der jüngsten Bürgermeisterinnen Deutschlands, auf der TINCON-Bühne. Er ist einer von knapp 50 Speakerinnen, die auf der 9. TINCON Hamburg einen Einblick in ihr Fachgebiet geben und Jugendliche dadurch ermutigen, selbst aktiv für die Veränderung zu arbeiten, die sie sich wünschen.
Auf der ausgebuchten TINCON Hamburg drehte sich am 30. September und 1. Oktober auf dem Gelände des Museums der Arbeit alles um aktuelle Trends aus Politik, Popkultur und Digitalem! Mehr als 2.500 Jugendliche zwischen 13 und 25 Jahren konnten sich bei zahlreichen Talks, Panels und Workshops bei der Konferenz für digitale Jugendkultur austauschen, ihre Meinung sagen und sich informieren. Für alle Gäste war der Eintritt kostenlos.
TINCON-Geschäftsführerin Sheherazade Busch eröffnete “die größte und wichtigste Jugendkonferenz” (Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend) mit einem Appell:
“Im digitalen Raum erleben wir fortwährende Angriffe auf die Demokratie, auf die Politik und Gesellschaft bislang kaum Antworten finden. Während sich Desinformation rasant verbreitet, sind Demokratiebildung, Medien- und Nachrichtenkompetenz wichtiger denn je. Gerade jetzt sind Räume wie die TINCON essentiell. Junge Menschen müssen Wissen, Haltung und digitale Resilienz entwickeln, damit sie aktiv (ihre) Zukunft mitgestalten können.”
DAS PROGRAMM
Von #skinnytok über die Demokratiegefährdung durch Tech-Milliardäre bis hin zum Kampf gegen Verschwörungserzählungen war alles dabei. Auf der Bühne standen Content Creator, Aktivist*innen sowie Expert*innen aus Wissenschaft, Tech und Politik. Dazu gab es einen Making Space mit zahlreichen DIY-Angeboten wie 3D-Druck, Roboter-Fußball, Plotting und VR-Experiences.
Auf der Bühne ermutigten Content Creator wie Elisa Gez oder Marcant dazu, sich nicht von rechtspopulistischer Meinungsmache verunsichern zu lassen, Social-Media-Experte Dr. Hannes-Vincent Krause forderte dazu auf, Aussagen aus TikTok-Videos aktiv zu hinterfragen und im Talk “Klimakrise durch KI?! Die ökologischen Kosten von ChatGPT und Co” lernten die Gäste, dass 23 KI-generierte Bilder so viel Strom verbrauchen, wie eine Scheibe Brot zu toasten (was nicht viel klingt, aber in der Masse einen enormen Einfluss auf die Umwelt hat). Im Publikum waren außerdem die aktuelle Politik, Schulalltag und die Debatte um Social Media omnipräsent:
“Stress in der Schule macht mich grumpy. Aber wenn wir gemeinsam drüber sprechen und das System verändern, wäre das nicht mehr so schlimm.”
“Politik verwirrt mich, man weiß gar nicht, in welche Richtung das geht. Die Gesellschaft spaltet sich immer mehr, wir sollten mehr für ein Miteinander kämpfen und nicht für ein Auseinander.”
“Es ist nicht nur der Inhalt auf Social Media, der mich sauer macht, sondern auch das Konzept. Ich bin voll in die Sucht gerutscht und wollte das gar nicht.”
Auch für Lehrkräfte war die TINCON Hamburg 2025 erneut eine hochwertige Ergänzung zum Lehrplan.
“Medienkompetenz ist schon ein Thema im Unterricht, aber sowas wie Körperbilder kommt leider nie im Lehrplan vor. Oder KI – gestern meinte ein Schüler, Hitler hätte das Fahrrad erfunden. Das hatte er auf TikTok gesehen. Dass es hier dann einen Vortrag gibt, wo die Schüler sehen, dass 2 von 10 Videos auf TikTok Falschinformationen enthalten, ist da super hilfreich. Auch für mich, damit ich sehe, womit sie sich beschäftigen.”
Die TINCON Hamburg 2025 als Gegenmodell
Seit 2016 bietet die TINCON jungen Menschen in verschiedenen Städten einen Ort, an dem sie eine Bühne bekommen und aktiv an gesellschaftlichen Diskursen teilnehmen können. Das Besondere: Die TINCON wird nicht nur für junge Menschen gemacht, sondern auch mit ihnen nach ihren Wünschen gestaltet.
Die TINCON Hamburg hat wieder einmal deutlich gemacht: Junge Menschen sind nicht teilnahmslos, sondern aktiv. Sie sind nicht unpolitisch, sondern informiert. Sie sind vielfältig, kritisch, kreativ und engagiert. Was fehlt, sind Bühnen für ihre Stimmen und Themen; Wissen, Ermutigung zur gesellschaftlichen Teilhabe und Bestärkung zur gemeinsamen Veränderung.