Von Charlies und Lorens

Text: Emma Lübbert / U21-Team

Während der Coronakrise erlebt TikTok einen globalen Aufschwung. Der britische „Guardian“ bezeichnete die App 2020 als „das perfekte Medium für die zersplitterte Aufmerksamkeitsspanne während des Lockdowns“. So ist es kaum überraschend, dass die Downloadzahlen während der Ausgangssperre beinahe überall durch die Decke gingen. Direkt beim ersten Nutzen der Plattform fällt schnell auf, dass ein Großteil der beliebtesten User:innen verdächtig ähnliche Charakteristika aufweisen – gehört man zur Zielgruppe sind junge, dünne, konventionell attraktive Mädchen zu sehen – quasi das Gegenstück zum allseits beliebten alten, weißen Mann. Zufall ist das nicht. In digitalen Räumen ist das Risiko für Scham und Komplexe schon lange omnipräsent. TikTok führt dieses Phänomen als Unternehmen auf ein komplett neues Level.

Foto: Instagram / @charlidamelio

So wurden im März 2020 firmeninterne Dokumente geleaked (Quelle: welt), welche bestätigen, was einige schon lange vermuteten: Der Algorithmus unterdrückt Posts von User:innen, welche „abnormalen, hässlichen oder vulgären“ Inhalt zeigen. Was genau in diese Sparte fällt, kann man als Nutzer:in nur erahnen. Fakt ist, das auf TikTok eurozentrisch geltende Schönheitsideale vom Unternehmen selbst gefördert werden. Der nach dem Leak kurz entstandene Shitstorm scheint nichts an der Situation geändert zu haben. Beliebte Creatorinnen wie die Charli D‘amelios und Loren Grays dieser Welt dominieren weiterhin die Plattform. Dabei können besagte Nutzerinnen selbst nichts daran ändern. Wer anders aussieht, hat allein algorithmisch einen Nachteil. Dabei ist es sicherlich auch kein Zufall, dass das vor allem BIPoC (Black, Indigenous and People of Color), behinderte Menschen und Personen, die nicht dem heteronormativen Standard entsprechen, betrifft. 

Das Problem an der ganzen Sache ist, dass das Unternehmen mit Förderprogrammen wie „#CreatorsForDiversity“ den Schein vermitteln möchte, für Vielfalt und Inklusion zu kämpfen. Solche Programme sind nett und gut aber widersprüchlich, solange auf der eigenen Plattform konsequent das genaue Gegenteil  durchgesetzt wird. Mit einer Haupt-Zielgruppe von 16- bis 24-Jährigen User:innen, vermittelt TikTok genau die Message, welche zahlreiche Teenager bereits tagein, tagaus leise in ihrem Kopf hören: Du bist nicht gut genug. Von den potentiellen Folgeschäden dieser Message mal ganz zu schweigen – ist es nicht langsam mal an der Zeit, längst überholte Schönheitsideale hinter uns zu lassen und diversen Content zu feiern? Das Letzte, was eine komplette Generation an Jugendlichen in Isolation braucht, ist ein Personenkult, der aktiv und bewusst Selbstwertkomplexe fördert. TikTok, get your shit together. Die Zukunft ist divers.

Dies ist ein Beitrag unserer U21er. Wenn ihr auch Teil des Teams werden wollt, findet ihr hier mehr Infos.

@tincon folgen

Flokati Beach: Schule abgebrochen, was jetzt?

Unsere drei Gästinnen Walerija, Kitty und Emily sprechen über ihren Schulabbruch.
Allein im Jahr 2021 haben in Deutschland rund 45.000 Schüler:innen die Schule abgebrochen – die Gründe sind vielfältig: Ob Stress mit Lehrer:innen, Mobbing oder Leistungsdruck – An…

TINCON Berlin 2023 - Jetzt kostenlos Tickets sichern!

Der erste TINCON-Termin für 2023 steht! Vom 7. – 8. Juni 2023 findet die TINCON Berlin im Festsaal Kreuzberg statt. Und weil es letztes Jahr so schön war, machen wir wieder gemeinsame Sache mit der re:publica. 💛 Jetzt kostenloses Ticket sichern! Generation TINCON meets Generation re:…

TINCON 2023: Bring dein Programm auf unsere Bühne

Es ist so weit, wir planen das nächste TINCON-Jahr - aber das geht eben nicht ohne dich! Denn was wäre die TINCON ohne junge Menschen im Alter von 13 bis 25 Jahren. Was bewegt dich? Worüber willst du sprechen? Wen willst du auf der TINCON sehen, hören oder treffen?  Die Programmwünsche sind …

Dem Stillstand zum Trotz: Von der Konzertangst zum Konzertdrang

Text: Sofia Hoffmeister / U21-Team
Im vergangenen Jahr war ich noch bei jeder Zusammenkunft, bei jeder Umarmung und bei jedem Konzert gefangen in einem ambivalenten Gefühlsstrudel zwischen Unbeschwertheit und Unbehagen. Vor allen Dingen der damalige Sommer, mit dem eini…
Weitere News →

Deine Spende für die TINCON!

Unsere gemeinnützige Arbeit ist nur durch Spenden, Förder:innen und Partner:innen möglich. Wir benötigen daher auch deine Unterstützung! Alle Infos gibt es auf unserer Spenden-Seite.