“JUST DO IT!” – Interview mit Calpurnia

Letzten Sonntag spielte die kanadische Indie-Band Calpurnia ihr erstes Konzert in Deutschland im Kesselhaus Berlin. Wir haben sie zu einem Interview getroffen!

Calpurnia sind: Finn Wolfhard (15 Jahre, Gesang, Gitarre), Ayla Tesler-Mabe (17 Jahre, Gitarre, Gesang), Jack Anderson (17 Jahre, Bass) und Malcolm Craig (16 Jahre, Schlagzeug. 2017 gründete sich die Band. Nachdem sie durch einige Coversongs von Bands wie den Pixies, Weezer oder Twin Peaks Aufmerksamkeit erregten, veröffentlichten sie dieses Jahr ihre erste EP “Scout” – und das mit großem Erfolg!

Vor dem Konzert hatten Yannick und ich (Jans) die Gelegenheit, ein Interview mit der Band zu führen, in dem es um ihr Bandleben, Apfeltaschen in London und ums Jung-sein ging. Viel Spaß beim lesen und Podcast hören!

 

Hallo! Wir sind hier mit Calpurnia. Wollt ihr euch zu Anfang vielleicht einfach selbst vorstellen?

Finn: Cool! Ich bin Finn und ich spiele Gitarre und singe.
Malcolm: Hi, ich bin Malcolm, ich bin der Schlagzeuger.
Jack: Ich bin Jack, ich spiele Bass.
Ayla: Hallo, mein Name ist Ayla. Ich spiele Gitarre und manchmal singe ich auch.

 

Seid ihr zum ersten mal in Deutschland?

Ayla: Ja, sind wir!
Jack: Es ist das erste Mal, dass wir zusammen in Europa sind, das ist aufregend!
Ayla: Ja und das erste Mal, dass wir auf einem anderen Kontinent spielen!

 

Und wie gefällt es euch? Habt ihr ein bisschen was von Berlin gesehen?

Finn: Ja, ich find es toll, echt schön!
Jack: Malcolm und ich haben heute morgen einen kleinen Spaziergang gemacht. Wir waren beim Checkpoint Charlie und sind von dort einfach ein bisschen durch die Straßen zur Venue gelaufen und haben ein paar coole Orte, Gebäude und Menschen gesehen. Coole Stadt!

 

Wir wissen ja, dass ihr die Beatles liebt. Gibt es noch andere Bands, die euren Musikstil in irgendeiner Weise beeinflusst haben?

Finn: Haufenweise! Surfer Rosa von den Pixies. Ihr erstes Album hatte einen großen Einfluss auf uns.
Ayla: Und Twin Peaks. Das ist eine Band aus Chicago, die echt diese Energie der Stones und dieser großartigen Bands zurückbringen. Sie sind super lustig und haben uns auch bei unserer ersten EP geholfen und wir lieben ihren Sound!

 

Ihr habt auch ein Twin Peaks Cover gemacht, oder?

Alle: Ja, haben wir!
Jack: Außerdem haben wir mit ihrem Gitarristen gearbeitet. Er hat unsere EP produziert, was ziemlich cool ist!
Ayla: Cadien Lake James!

 

Von außen betrachtet ging für euch alles sehr schnell. Ihr habt euch erst vor ein oder zwei Jahren gegründet und jetzt seid ihr hier und spielt eine Headliner Tour! Wie ist das für euch?

Ayla: Das sind Leute, mit denen ich schon jahrelang Musik gemacht habe, auch bevor es die Band gab, also denke ich, dass es zumindest für mich eine Weile gedauert hat. Aber es ist unglaublich, dass wir so schnell in der Lage waren, zusammen zu kommen und Musik zu schreiben und sie dann herauszubringen. Und jetzt kommen schon Leute überall hin, um uns zu sehen. Es ist definitiv eine Ehre und wir sind wirklich dankbar dafür, dass wir diese Möglichkeit haben.

 

Also habt ihr schon länger zusammen Musik gemacht, aber die Band erst 2017 gegründet?

Ayla: Ja, ich hab separat mit Finn und Malcolm und mit Jack gespielt und erst vor zwei Jahren kamen wir alle vier zusammen.

 

Hat sich dadurch, dass ihr die Band gegründet habt, euer Musikstil irgendwie geändert?

Ayla: Ich denke, bei niemandem hat sich der individuelle Stil verändert, aber wenn wir zusammen spielen, ist das der Sound der…
Jack: …entsteht, weil diese unterschiedlichen Facetten verschmelzen.

 

Ihr habt sicher viel zu tun. Ihr habt diese Band, ihr geht noch zur Schule, Finn, du schauspielerst, Ayla, du hast noch eine andere Band. Wie schafft ihr das? Schafft ihr es überhaupt?

Malcolm: Nein, das tun wir nicht. Es ist, als würde man in einem Fluss schwimmen, man lässt sich einfach treiben…
Ayla: Du schwimmst einfach irgendwie mit dem Strom.
Jack: Ich meine, das klingt jetzt albern, aber eigentlich ist das ein guter Rat. Einfach weitermachen und im Moment leben.
Malcolm: Ich versuche, einfach alles aufzusaugen, weil es jede Sekunde vorbei sein kann.
Jack: Es KÖNNTE jede Sekunde vorbei sein.
Ayla: Ja, ich mache einfach das beste aus den Möglichkeiten, die sich ergeben. Und das klappt auch super mit meiner anderen Band Ludic, weil es ein komplett anderer Musikstil ist, so dass ich nie das Gefühl habe, mich irgendwie teilen zu müssen. Es sind einfach zwei völlig unterschiedliche Dinge, deshalb ist es einfach, alles von mir in diese Band zu stecken. Und es macht so viel Spaß, weil es sich nicht mal nach Arbeit anfühlt!

 

Wie reagieren die Leute, die schon vor der Band Teil eures Lebens waren, auf diesen Erfolg? Gibt es etwas, das sich verändert hat?

Finn: Sie lieben es, wir haben alle total unterstützende Eltern.
Ayla: Sie lieben es!
Jack: Ja, alle waren super lieb zu uns und wir können dafür gar nicht dankbar genug sein.

 

Was ist das Lustigste oder Merkwürdigste, was euch als Band je passiert ist?

Finn: Das ist echt eine gute Frage!
Jack: Darüber muss ich erst mal nachdenken.
Finn: Wir hatten sehr viele lustige Momente.
Ayla: Ja, es ist schwer, sich für einen zu entscheiden.
Jack: Ich nehm einfach eine Geschichte, die letztens erst passiert ist. Das war nicht mit der ganzen Band, aber hat schon damit zu tun. Unser Tontechniker Donnie, wir lieben ihn…
Finn: Ist das die Apfeltaschen-Story?
Jack: Es ist die Apfeltaschen-Story!
Malcolm: Oh mein Gott!
Finn: Die ist nicht mal so schlimm!
Jack: Es ist nicht schlimm, es ist einfach super, es ist lustig! Also mein Cousin und ich waren bei McDonald’s in London und haben uns zwei Apfeltaschen gekauft, ihr wisst schon, diese knusprigen. Und wir laufen die Straße entlang – das war nach einem Auftritt – und dann sehen wir einen Mann in einem schwarzen Hoodie, der sehr schnell geht. Und wir waren so: “Woah, der Typ geht aber schnell!” Und dann schau ich ihn an und es ist Donnie, unser Tontechniker! Wir sind ihm einfach in London über den Weg gelaufen: “Hey Donnie, wie geht’s?” Und er meinte nur: “Gut, ich bin auf der Suche nach einem kleinen Snack, nach etwas Reis.” Also meinten mein Cousin und ich: “Oh, willst du eine von unseren Apfeltaschen?” Und er greift einfach nur in die Tüte und reißt sie auf und fängt an, sie zu essen, das war einfach…keine Ahnung, sehr spontan und ziemlich lustig. Ich liebe Donnie sehr!
Finn: Außerdem fällt mir noch ein…so doll habe ich sonst noch nie mit der Band gelacht. Wir waren in einem Restaurant in der Nähe von Aylas Haus und haben gegessen und Malcolm hatte den ganzen Tag nicht geredet. Und wir haben geredet und Malcolm einfach auf einmal…was war das nochmal?
Malcolm: Sweet Child Of Mine!
Jack: Sweet Child Of Mine lief.
Finn: Ja, Sweet Child Of Mine lief und das war irgendwie das vierte mal an diesem Tag, dass wir diesen Song gehört haben, wir haben ihn WIRKLICH oft gehört. Und Malcolm sagte nur super laut: “FUCK THIS SONG” und er hatte den ganzen Tag nicht geredet und wir waren in diesem super ruhigen Restaurant, wir haben so gelacht!
Ayla: Und alle in diesem Restaurant waren entsetzt…
Finn: Alle haben sich umgedreht. Es war so lustig!
Alle lachen.

 

Es ist nicht unbedingt üblich für Menschen in eurem Alter, so viel Erfolg zu haben. Was liebt oder hasst ihr daran, nicht erwachsen zu sein?

Jack: Ich finde, es ist cool, in unserem Alter eine Band zu haben. Es ist lustig, weil wir oft von unseren Eltern oder von den Eltern unserer Freund*innen hören: “Ich hatte eine Band, als ich in der High School war.” Aber für uns ist es echt cool, auf Tour zu gehen und damit umzugehen, als wären wir eine erwachsene Band und das zeigt, dass Alter in diesem Kontext nicht unbedingt wichtig ist.
Finn: Naja, nicht mehr.
Malcolm: Die Musikszene wird jünger.
Finn: Ja, die Musikszene wird jünger und auch die größten Bands, die auf riesigen Festivals spielen. Alle sind echt jung.
Ayla: Es ist einfach eine neue Musikgeneration, die aufkommt und es ist super cool, ein Teil davon zu sein.

 

Passiert es, dass Leute euch wegen eures Alters nicht ernst nehmen?

Finn: Ja, total. Die ganze Zeit, jede Sekunde unseres Lebens!
Ayla: Ja, aber ich denke, das kommt meistens von Leuten, die uns nie richtig gehört haben und nie gehört haben, was wir alles können. Also ändern wir das am besten, indem wir weiter unser Ding machen und ich denke, je mehr Menschen uns hören, desto mehr Menschen werden merken, wie viel Arbeit wir da rein stecken und dass wir das wirklich ernst meinen und wir werden einfach weiterhin machen, was wir lieben und damit ihre Meinung und ihre Herzen ändern…hoffentlich!

 

Das ist super! Wir kommen langsam zum Ende dieses Interviews und wie schon gesagt, haben wir eine ziemlich junge Zielgruppe zwischen 13 und 21 Jahren. Wollt ihr jungen Menschen irgendwas mit auf den Weg geben?

Malcolm: Saugt es einfach auf, eines Tages seid ihr alt!
Finn: Ja, das stimmt!
Malcolm: Wenn ihr denkt, ihr seid jetzt schon alt, das seid ihr nicht! Vertraut mir!
Finn: Ich denke, wir haben alle ziemliches Glück damit, wo wir jetzt sind und dass wir live spielen dürfen und alles. Und ich denke, wenn man jung ist, ist es einfach für Erwachsene, einen klein zu halten und einem zu sagen, man hätte kein Talent oder dass man warten muss, bis man älter ist, um das zu tun, was man will. Aber es gibt keine Altersgrenze, um zu tun, was man will. Fangt einfach an, wann immer ihr wollt! Wenn ihr eine Leidenschaft habt, dann macht das! Außer es ist irgendwie damit verbunden, jemanden umzubringen oder so. Ich denke, es ist total wichtig, einfach zu handeln. Sagen wir, ihr wollt eine Band gründen und ihr wisst nicht, was ihr machen sollt oder wie ihr das machen sollt. Ich denke, das Wichtigste ist: Habt keine Angst! Es gibt so viele Bands in unserem Alter in der Musikszene. Die sind eine tolle Unterstützung! Es gibt großartige Hilfe da draußen, die Musikszene ist gerade wirklich unterstützend und es gibt viele Bands im selben Alter, wie wir, also ist es toll, wenn man diese Leute auch findet. Es ist ja auch ein großes Ding, seine eigenen Konzerte zu buchen. Habt keine Angst, einen Club anzurufen und zu sagen: “Hey, ich bin 16 und ich hab eine Band. Wie sieht da euer Buchungsablauf aus?” oder so. Habt keine Angst davor, einfach mal was zu wagen!
Malcolm: Und wenn sie nein sagen, lasst euch nicht unterkriegen.
Ayla: Ihr seid für euer Glück verantwortlich und wenn ihr liebt, was ihr macht, dann denke ich, ihr solltet nicht zögern, sondern einfach machen und auch mal ein Risiko eingehen und dann passiert vielleicht, hoffentlich auch etwas. Ich meine, alle, die in einer Band spielen, haben an einem Punkt angefangen, an dem sie in keiner Band gespielt haben und nicht gut in ihren Instrumenten waren. Aber da fangen alle an und es geht darum, einfach mal zu machen.
Finn: Don’t let your dreams be dreams!
Alle: JUST DO IT

 

Das ist ein schöner Abschluss! Vielen Dank!

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