Queerness im Alltag – Juno* im U21-Interview

Juno* ist: jung, engagiert und Teil des Landesvorstandes des queeren Jugendnetzwerks Lambda. U21-Redakteurin Laura hat mit Juno* über Diskriminierung, Unterstützung und das Problem mit den Pronomen gesprochen.

Hallo Juno*! Im Rahmen deines Workshops auf der TINCON wirst du über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt reden. Welche Probleme haben denn Queers immer noch, trotz positiver Veränderungen innerhalb der letzten Jahre?

Juno*: Ich glaube das kommt ganz darauf an, mit welcher Diskriminierung die Person belastet ist – also ob die Person nun zum Beispiel weiß, schwul, inter oder trans* ist. Es hängt ganz davon ab, welche Privilegien die Person hat und in welcher Form sie diskriminiert ist. Es gibt zum Beispiel das Transsexuellengesetz, das übrigens aus den 80er Jahren stammt und Transpersonen total entmündigt und andere Personen über die Person selbst stellt. So entscheiden beispielsweise Gutachten darüber, welchen Geschlechtseintrag die Person hat. Abgesehen davon werden an Inter-Personen häufig Operationen durchgeführt, die geschlechtsverstümmelnd sind – da wurde noch nichts gemacht. Es werden auch häufig Wörter wie „schwul“ als Schimpfwort benutzt, obwohl es keine Beleidigung ist. Das sind alles Sachen mit denen Queers noch zu kämpfen haben und wir versuchen diese Situation mit aktivistischer Arbeit zu verbessern. Das Ganze geht aber nicht von heute auf morgen, wenn‘s so wäre, dann wäre es toll, es ist aber nicht so. Wir müssen uns immer für unsere Rechte und für uns selbst einsetzen.

Womit musst du dich in deinem Alltag immer wieder rumschlagen?

Juno*: Ich habe vor allem Probleme mit Pronomen. Im Deutschen gibt es kein Pronomen, das für mich ideal wäre. „Er“ oder „sie“ passt für mich nicht wirklich. Keine Pronomen sind in der deutschen Sprache schwer anzuwenden. Mir passiert es so immer wieder, dass ich misgendert werde. Obwohl ich selber keine er/sie-Pronomen benutze, werden diese immer wieder für mich benutzt.

Wo kann mensch als queere Person Unterstützung finden?

Juno*: Also ich bin beispielsweise bei Lambda aktiv und bei uns gibt es zum Beispiel das Jugendberatungsprojekt „in&out“ – wir arbeiten vorwiegend online, aber bieten auch persönliche Beratung vor Ort an. Wir haben auch das Projekt „Queer@School“ – ihr könnt uns für eure Schule buchen und dann führen wir mit euch Workshops durch, die sensibilisieren und empowern. Außerhalb von Lambda gibt es zum Beispiel das Projekt „Queer Leben“ von der Schwulenberatung Berlin und dort gibt es Peer-to-Peer-Beratungen im Bereich inter und trans*– das kann ich euch nur empfehlen. Also wenn ihr Unterstützung braucht, Therapeut*innen sucht oder eventuell andere Ansprechpartner*innen: die Menschen von „Queer Leben“ haben Listen, kennen sich aus, beraten und empowern euch. Immer wenn ich einen Termin dort hatte und Unterstützung und Rat gesucht habe, bin ich da raus gegangen und habe mich so toll gefühlt, weil die Menschen so lieb sind. Sonst gibt es unter anderem die Deutsche Gesellschaft für Transindentität und Intersexualität e.V. und die haben unter anderem einen Ergänzungsausweis für inter- und trans*-Menschen herausgebracht, welcher mit dem Bundesministerium des Innern abgestimmt ist. Dieser Ausweis ist vor der amtlichen Namens- und Personenstandsänderung dafür da, euch zu unterstützen und zu entlasten. Wenn ihr euren Personalausweis rausholen müsst, dann könnt ihr auch stattdessen den Ergänzungsausweis  vorzeigen – das ist ziemlich cool.

Was wären Go’s und No-Go’s für nicht queere Personen? Worauf sollte mensch achten?

Juno*: Total wichtig ist es, dass euch klar ist, dass mensch nicht das Geschlecht einer Person ansehen kann. Das ist total schwierig und das sollte mensch nicht machen, weil das zu unangenehmen Situationen führen kann. Mensch sollte die Person immer fragen „Was ist dein Name?“, und gleichzeitig „Was ist dein Pronomen?“. Sonst ist das ganz schnell ein No-Go. Abgesehen davon sollte mensch auch immer die Person fragen, wie mensch sie unterstützen kann. Ihr könnt eine Person nicht unterstützen, wenn ihr nicht wisst, ob und welche Unterstützung sie benötigt. Ich freue mich beispielsweise darüber, wenn Personen einschreiten, wenn ein falsches Pronomen für mich verwendet wird. Sonst ist es auch gut in der Schule zu der queeren Person zu halten, die Meinung von der Person zu vertreten und wenn jemensch einem doof kommt, zu der Person zu stehen.

Das Bild von queeren Menschen wird natürlich auch sehr von den Medien geprägt und dabei wird natürlich häufig mit diesen klassischen Stereotypen gearbeitet. Hättest du am Ende vielleicht einen Film- oder Buchtipp für uns, der mal ein bisschen anders ist?

Juno*: Oh, da muss ich mal kurz überlegen… Mir fällt da ein Buch ein, das ich jedem Menschen sehr ans Herz legen würde. Das Buch heißt „George“, ist von Alex Gino und es handelt von einer sehr jungen transweiblichen Person, die gerade dabei ist, den Prozess des Coming Outs durchzumachen. Dieses Buch spiegelt letztendlich alles wieder, was Realität einer Transperson ist. Es ist echt toll geschrieben, sehr emotional, sehr schön kinderfreundlich und einfach wunderschön zu lesen.

Das hört sich doch gut an! Vielen Dank für diese Empfehlung und natürlich auch für das Interview.

 

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