„Das fällt mir einfach ein.“– Luis Geissler im U21-Interview

U-21 Redakteurin Laura hat sich mit dem erst 14-jährigen Erfinder Luis Geissler zum Interview verabredet und heraus gekommen ist ein spannendes Gespräch über seine Erfindungen, wie den „Anti-Stolper-Schuh“ oder das Projekt „RoBert“, woher er die Ideen dafür nimmt und warum Panzerband auch für Tüftler ein guter Begleiter ist. 

Hey Luis! Erstmal danke, dass du dir ein bisschen Zeit für dieses Interview genommen hast. Du hast ja bisher schon echt viel erfunden: Wann hat das mit dem Erfinden eigentlich angefangen?

Luis: Das war schon ganz, ganz früh. Früher habe ich all das Spielzeug, was ich bekommen habe einfach auseinandergebaut und etwas anderes daraus gemacht. Ich habe damit angefangen, kleine Motoren aus Spielzeug auszubauen und Sachen zu basteln, die zum Beispiel Krach machten. Meine erste Erfindung, an die ich mich wirklich noch erinnern kann, war ein Kopf aus einem Modellauto und Pappmaschee, den man mit einer Fernbedienung auf und zu machen konnte. Meine Mama fand das ganz toll, aber wollte nicht mehr, dass ich Zuhause alles kaputt mache. Deswegen hat sie mir eine AG gezeigt und da bin ich jetzt seit drei Jahren aktiv. Inzwischen habe ich auch in meinem Gartenhaus meine eigene Werkstatt mit all meinen Werkzeugen. Ich mach auch viel mit Metall und dafür ist besonders meine Werkstatt gut ausgelegt.  

 

Woher kommen denn deine Ideen?

Luis: Ich weiß es nicht, die kommen einfach. Ich liege im Bett und auf einmal sind sie da. Ja, das ist wirklich so. Vielleicht mal als Beispiel: Meine Oma ist blind und ich gehe oft mit ihr einkaufen. Früher ist sie häufig über Bordsteine und sowas gestolpert. Eines Tages lag ich auf meinem Bett und dann hatte den Geistesblitz: Schuhe, die sehen können! Dann hab ich ein bisschen überlegt und die Anti-Stolper-Schuhe gebaut. Das fällt mir einfach ein.

 

Gab es auch schon mal Projekte, die so richtig schief gelaufen sind?

Luis: Da muss ich mal kurz überlegen… Das meiste redet mir meine Familie auch einfach wieder aus. Einmal wollte ich einen Zeppelin bauen und das durfte ich nicht, weil der zu groß geworden wäre. Dann wollte ich auch mal ein Auto bauen, das wie eine Dampflokomotive einen Dampfkessel hat. Das durfte ich auch nicht. Aber was wirklich schief gegangen ist… bisher eigentlich gar nicht, weil irgendwie alles auf irgendeine Weise funktioniert und wenn nicht, dann schraub ich halt immer noch was ran, sodass es funktioniert. Ansonsten einfach Panzerband außen rum, dann funktioniert sowieso alles.

 

Den Tipp merk ich mir! An welchen Projekten sitzt du denn aktuell?

Luis: Ich bin jetzt erstmal bei einigen Wettbewerben, Präsentationen und natürlich bei der Tincon in Berlin dabei. Danach kommen die Anti-Stolper-Schuhen 4.0. Nebenbei bastle ich auch noch an Sachen, die ich für meinen Alltag brauche – sowas wie meine Powerbank. Die wiegt halt sechs Kilo, aber ich habe sie trotzdem mit zur Skifahrt genommen. Wir sind acht Stunden mit dem Bus gefahren und durch meine Powerbank war mein Handy auf der Hin- und Rückfahrt immer voll. Einen Stiefelhalter für meine Oma habe ich auch gebaut. Meine Oma macht bei uns den Garten und damit es nicht in ihre Gummistiefel reinregnet oder die Mäuse reinklettern, habe ich einen Getränkekasten genommen und zwei Pfähle reingemacht. Jetzt kann sie da ihre Stiefel da draufstecken.

 

Könntest du dir vorstellen in Zukunft weiterhin Dinge, wie die Anti-Stolper-Schuhe erfinden? Also Erfindungen, die Menschen mit Behinderung in ihrem Alltag unterstützen?

Luis: Ja, natürlich. Wir sind so weit, wir können Raketen auf den Mars schicken, aber um Behinderte kümmert sich hier unten auf der Erde eher weniger jemand. Ich gucke halt immer in den Bereichen, in denen irgendwie kaum geholfen wird. Ein Blindenstock ist schon ok, aber meine Oma will das halt einfach nicht und damit ist sie bestimmt nicht allein. Ich finde, dass man da doch was machen muss. In meiner AG zum Beispiel haben wir eine Weste für Taube entwickelt. Sie besitzt ein Mikrofon auf dem Rücken und wenn beispielsweise ein Auto hupt, dann bekommt man ein Vibrationssignal.

 

Das ist echt cool! Was willst du denn sonst noch in deiner Zukunft machen?

Luis: In meiner näheren Zukunft möchte ich jetzt erstmal die Schule und mein Abitur schaffen und natürlich auch weiter erfinden. Wenn ich dann erwachsen bin, also so in zehn Jahren, wenn ich auch schon studiert habe, dann würde ich gerne meine eigene Firma aufziehen. Ich denke, wenn ich bei irgendeiner anderen Firma arbeiten würde, dann wäre ich sehr stark an meinen Job gebunden. Wenn ich eine eigene Firma habe, dann kann ich alles produzieren was ich will und auch erfinden was ich möchte.

 

Zu guter Letzt noch: was wären deine drei Top-Tipps für werdende Erfinder?

  1.      Was dir möglich erscheint, ist nicht unmöglich, egal was deine Familie sagt!
  2.      Es geht nie alles gut, man muss probieren und deswegen sollte man nicht aufhören, auch wenn es mal schief geht.
  3.      Man sollte niemals denken es gibt schon alles, denn es gibt ganz viel noch nicht!

 

Leider musste Luis seine Teilnahme an der TINCON Berlin 2018 absagen. Wir bleiben aber in engem Austausch mit ihm und schauen, dass ihr ihn zu einem anderen Termin auf der TINCON-Bühne sehen könnt.

 

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