“Wer mich und meine Identität nicht akzeptiert, den vermisse ich auch nicht” — JustNate im U21-Interview

JustNate spricht auf seinem YouTube-Channel viel über Transsexualität und leistet damit einen wichtigen Teil zur Aufklärung über das Thema. Auf der Tincon wird er uns mit seinem “LGBT*I-ABC” Begriffe zum Thema Homosexualität und geschlechtlicher Vielfalt erklären.Im U21-Interview mit Marlon erzählt der 18-Jährige von seinen Erfahrungen als junger trans Mann, seiner Kritik an den gesetzlichen Regelungen zu Geschlechtsangleichungen und seinen Wünschen für die Zukunft.

Was hältst du von den momentanen Regelungen durch das Transsexuellengesetz (TSG)?

Nate: Ich verstehe den Sinn hinter dem TSG. In den USA ist es zum Beispiel sehr leicht, an Hormone und die Operationen zu kommen. Dort gibt es viele Fälle von Leuten, die Hormone bekommen haben und dann gemerkt haben, dass es doch nichts für sie ist. Allerdings finde ich, dass das Prozedere in Deutschland mit mehreren psychologischen Gutachten, einem einjährigen Alltagstest, Gerichtsgutachten und langen Wartezeiten zwischen den einzelnen Schritten sehr übertrieben aufwendig angelegt ist. Ich bin seit über einem Jahr in Behandlung und muss wohl noch mindestens ein halbes Jahr warten, bis ich Hormone bekomme. Ein Gutachten und ein weniger langer Alltagstest würde meiner Meinung nach ausreichen.

Mit welchen Vorurteilen wirst du am häufigsten konfrontiert?
Nate: Ganz selten passiert es, vor allem im Internet, dass mir Leute sagen, das sei nur eine Phase, ich sei zu feminin um trans zu sein oder zu jung um überhaupt zu wissen, ob ich wirklich eine Geschlechtsangleichung brauche und möchte. Diese Leute verstehen wohl nicht, dass genau dafür die Therapien und Gutachten da sind, ohne die man keine Hormone bekommt. Was mir im privaten Leben oft passiert, ist, dass mir die Leute Geschlechterrollen an den Kopf werfen wenn sie z.B. gerade zu faul sind, irgendwas zu machen. Da kommt dann gerne mal „Hey, du bist doch ein Junge, trag das mal. Wenn du das jetzt nicht trägst, bist du kein echter Junge.“ Das ist sehr anstrengend und nervig, gerade wenn man wie ich nur eine Muskelmasse von ca. 0,00001 Milligramm hat.

Wirst du in deinem Alltag mit Trans-Feindlichkeit konfrontiert? Falls ja, wie erlebst du das und was macht das mit dir?
Nate: Als ich noch in Bayern gelebt habe waren in meinem privatem Umfeld ein paar Leute, die mich bewusst mit meinem Geburtsnamen angesprochen haben oder die falschen Pronomen benutzt haben mit dem Argument, ich sei erst ein Junge, wenn ich die Operationen hinter mir habe. Mit dem Geburtsnamen angesprochen zu werden fühlt sich für mich, besonders wenn man weiß, wie es richtig geht, an, wie eine extrem schlimme Beleidigung. Das klingt jetzt für manche vielleicht ein bisschen lächerlich, aber mir fällt keine bessere Beschreibung ein. Kurzum: Es ist ist extrem verletzend. Ansonsten passiert die Trans-Feindlichkeit, die ich erlebe, meistens unbewusst. Das nehme ich den Leuten nicht übel, erkläre ihnen aber meistens, warum das, was sie gerade gesagt haben, verletzend war und warum sie das lieber nicht mehr tun sollten. In den meisten Fällen verstehen die Leute das. Wenn es doch mal vorkommt, dann distanziere ich mich von der Person und lasse sie über mich denken, was sie will. Wer mich und besonders meine Identität, die ich mir nicht ausgesucht habe, nicht akzeptiert, den vermisse ich auch nicht.

Gibt es besondere Momente oder andere schöne Dinge, die du nicht erlebt hättest, wenn du cis wärst?
Nate: Dadurch, dass ich trans bin und Videos darüber mache, habe ich viele unglaublich tolle Menschen kennengelernt. Wenn ich als cis Junge geboren wäre, hätte ich mich wohl nie mit demselben Umfeld umgeben und würde viele meiner Freunde und auch meinen Freund gar nicht kennen. Alles in allem wäre mein Leben an vielen Stellen anders verlaufen, wenn ich als cis Junge geboren worden wäre. Sowohl was die positiven, als auch was die negativen Dinge angeht.

Was sind deine persönlichen Ziele für die Zukunft?
Nate: Im Moment bin ich froh, wenn ich an meinem neuen Wohnort eine eigene Wohnung finde, weiter zur Schule gehen kann, und schnell einen Therapeuten finde, damit ich meinen Alltagstest fortsetzen und möglichst bald meine Geschlechtsangleichung anfangen kann. Ein Hobbytheater zu finden, damit ich weiter Theater spielen kann, würde mich auch sehr freuen. In der ferneren Zukunft würde ich gern Tiermedizin studieren, eine Ausbildung zum Tierarzthelfer machen oder Schauspieler werden.

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