„Wir wollen den Menschen hinter dem Produkt ein Gesicht geben“ — Jonathan Funke im U21-Interview

Jonathan Funke bezeichnet sich selbst als Weltverbesserer. Und das zu guter Recht. Denn seine „Das-Leben-ist-schön“-Mentalität hilft ihm beim Sammeln von Ideen und Energie für wohltätige Projekte, wie sein aktuelles Projekt Tip Me – das globale Trinkgeld. Wie er damit Gutes bewirken will und warum es wichtig ist Fast Fashion zu kritisieren, erzählte er Jean aus der U21-Redaktion im Interview.

Du nennst dich Weltverbesserer — doch was machst du eigentlich genau?

JF: Grundsätzlich versuche ich Projekte zu realisieren, die Menschen freier machen und ihnen mehr Spaß am Leben ermöglichen. Mein aktuelles Projekt ist Tip Me – das globale Trinkgeld. Wir sind ein Team von 5 Leuten, die dir die Möglichkeit geben wollen, den Menschen, die dein Produkt gemacht haben, ein Trinkgeld zukommen zu lassen. Ein Beispiel: du kaufst online Kaffee und kannst dann denen Trinkgeld geben, die den Kaffee gepflückt haben. Wenn man sich bewusst macht, dass von dem Gewinn an den Produkten, die wir hier in Deutschland kaufen, nur zwischen 1 bis 5 Prozent bei denen ankommt, die das Produkt hergestellt haben, stellt man fest, dass man mit so einem alltäglichen Trinkgeld einiges bewirken kann. Bereits mit kleinen Trinkgeldern kann man den Lohn der Arbeiter verdoppeln, verdreifachen oder sogar verzehnfachen. Das ist ein wirklich guter Impact.

Ist es nicht sehr schwer Unternehmen zu finden, mit denen man zusammenarbeiten kann?

JF: Ja, deshalb suchen wir uns kleine, familiäre Unternehmen raus, die transparent sind und persönliche Beziehungen zu ihren Zulieferern haben. Ethletic zum Beispiel ist eine Firma, die faire Chucks produziert. Die sind sehr nett und engagieren sich stark dafür, dass die Hersteller der Materialien fair bezahlt werden. Aber auch in anderen Bereichen wie bei Kaffee läuft es ganz gut bei der Suche nach Unternehmen.

Wie bist du dazu gekommen, das alles zu machen und in diese Richtung zu gehen? Man braucht ja auch immer Leute, die einen unterstützen und mit denen man zusammenarbeiten kann.

JF: Zu der Zeit, in der ich die Idee hatte, habe ich gerade ein Praktikum bei fairmondo gemacht. Das ist so eine faire Alternative zu eBay oder Amazon. Die haben die Idee super gefeiert und mich beim Austüfteln des „Business Modells“ total unterstützt. Ich habe dadurch mitbekommen, dass man, wenn man seine Idee so raus in die Welt trägt, auf super viele positive Menschen trifft. Das ist so unglaublich! Wir werden im Moment von Zeit Online medial unterstützt und dadurch kriegen wir noch mehr Support. Unser ganzes Team besteht eigentlich aus Zeit Online Lesern (lacht).

Woher kommt die Trinkgeld-Idee?

JF: Die Trinkgeld-Idee entstand bei einer Demo vor Primark. Wir waren ganz viele junge naive Ökos und fanden – und finden – Fast Fashion uncool. Man sollte besser eine Beziehung zu den Produkten aufbauen, die man konsumiert. Außerdem sollten es den Leuten gut gehen, die die Produkte für uns herstellen und das ist bei Primark nicht der Fall. Bei dieser Demo hatte ich einen Flyer in der Hand, auf dem stand: „Nur 1 Prozent von dem, was du bezahlst, geht an die, die das gemacht haben.“ Ich habe mich darüber so geärgert und dachte mir, wer würde sich denn sträuben 1 Prozent mehr zu bezahlen, damit es den Leuten, die dein Produkt herstellen, besser geht? Dieser Grundgedanke hat mich nicht losgelassen und ich versuche seitdem, irgendwie eine Brücke zu bauen und sicherzugehen, dass das Geld wirklich bei den Produzenten ankommt. Niemand hat doch grundsätzlich was dagegen, dass Menschen für gute Arbeit auch gutes Geld bekommen.

Was wollt ihr mit Tip Me erreichen?

JF: Wir als Team wollen den Menschen hinter dem Produkt ein Gesicht geben. Wir wollen jedem Konsumenten klar machen, dass hinter dem, was er gerade kauft, viel Arbeit, ganz viel ökologische Kraft und ein menschliches Leben steht. Denen ein Gesicht zu geben, das alles sichtbar zu machen und sich dafür auch bedanken zu können, das ist unsere Aufgabe.

Was findest du an der TINCON besonders?

JF: Was ich an der TINCON so besonders finde ist, dass man dort auf so viele junge engagierte Menschen trifft. Außerdem merke ich, das, was ich mache, kann ich nur machen, weil von Anfang an andere Menschen an mich geglaubt haben und mir geholfen haben. Was ich gerne bei der TINCON mache würde ist den jungen Menschen auch irgendwie dieselbe Unterstützung, die ich erfahren habe, weiterzugeben.

Vielen Dank für das Interview!

Du willst mit Jonathan Funke über seine Projekte diskutieren? Er ist einer der Speaker auf der TINCON Berlin — komm vorbei! Noch bis 31. Mai läuft unsere 2für1-Ticketaktion!

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