Damaskus, Spandau, Rio, New York: Yusra Mardini, Schwimmerin und UN-Sonderbotschafterin

Yusra Mardini, 19 Jahre alt, Syrerin, Schwimmerin, Olympionikin, UN-Sonderbotschafterin, TINCON-Speakerin und für viele eine Heldin. Denn ihre Geschichte ist besonders und lässt einen so schnell nicht wieder los.

Damaskus, 2015: Yusra macht sich mit ihrer älteren Schwester Sarah auf den Weg über Beirut in die Türkei, über Istanbul nach Izmir. Sie zahlen Schmuggler für zwei Plätze auf einem Boot. Das Ziel: die griechische Insel Lesbos. Nach wenigen Minuten auf dem Meer fällt der Außenboardmotor aus, Panik bricht aus, kaum einer der Menschen an Bord kann schwimmen. Yusra und ihre Schwester, wie sie ebenfalls Gewinnerin mehrerer syrischer Meistertitel im Schwimmen, beweisen Mut: sie springen gemeinsam mit zwei anderen Insassen ins Wasser und beginnen, das Boot und die 18 Menschen darauf zu ziehen — über die Ägäis, fast 9 Kilometer weit, drei Stunden lang. Von Griechenland aus laufen die beiden Schwestern weiter, über den Balkan und Wien, über München bis Berlin.

Nachdem sie aufgrund der politischen Lage in Syrien zwei Jahre nicht schwimmen konnte, findet Yusra in Berlin einen Verein, der ihr Zuhause wird, bei dem sie nicht nur trainieren kann sondern auch in allen Dingen rund um ihren Start in Deutschland unterstützt wird.

Im Juni 2016 dann die großartige Nachricht: das internationale olympische Komitee ernennt Yusra als eine von zehn Geflüchteten, die bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro für das Team Refugee Olympic Athletes antreten. Yusra freut sich riesig — ihr Kindheitstraum geht in Erfüllung. Sie nimmt teil, schwimmt Freistil und Schmetterling, gewinnt zwar keine Medaille, dafür aber die Aufmerksamkeit vieler Menschen und ein enormes internationales Medieninteresse für das Schicksal von Geflüchteten — denn sie gibt der globalen Flüchtlingskrise ein Gesicht. Vom TIME-Magazin wird sie als einer der 30 einflussreichsten Teenager des Jahres 2016 gewählt.

Für viele repräsentiert sie „mit ihrer mächtigen Geschichte die Hoffnungen, Ängste und das unglaubliche Potential der mehr als zehn Millionen jungen Flüchtlinge weltweit“, so UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi. Daher wurde Yusra Anfang 2017 von den Vereinten Nationen zur neuen und bisher jüngsten UN-Sonderbotschafterin für Flüchtlinge des Flüchtlingshilfswerks UNHCR ernannt. Sie sei eine starke Stimme für die Vertriebenen in der Welt, ein Beispiel für Widerstandskraft und Entschlossenheit. Auf Einladung von Barack Obama hält sie in New York beim UN-Gipfel eine Rede zur Flüchtlingsthematik, sie trifft Ban Ki Moon und Papst Franziskus.

In Berlin geht Yusra weiter zur Schule und trainiert zehn Mal in der Woche in ihrem Verein, bei den Wasserfreunden Spandau. Sie weiß, was sie will: schwimmen, an den Olympischen Spielen 2020 teilnehmen, sich ein Leben in Deutschland aufbauen, später nicht nur Schwimmtrainerin sondern auch Pilotin werden. Und sie will weiterhin die Botschaft verbreiten, dass Geflüchtete normale Menschen und zu außergewöhnlichen Dingen fähig sind wenn sie die Möglichkeit dazu bekommen.

 

Fotos: https://www.instagram.com/mardiniysra/

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