„Später mach‘ ich vielleicht was Ordentliches!“ — June Tomiak im U21-Interview

June Tomiak ist 20 Jahre alt, studiert Kultur und Technik mit dem Schwerpunkt Philosophie und sitzt „nebenbei“ im Berliner Landesparlament. Dort treibt sie mit ihren freshen Jugendlingo-Skills ihre älteren Kolleg*innen in den Wahnsinn, hehe. Finden wir super und konnten nicht warten bis sie uns im Juni bei der TINCON Berlin beehrt, wir wollten jetzt schon ganz viel wissen. Jean aus unserer U21-Redaktion hat June Tomiak getroffen und sie für uns mal ein bisschen ausgequetscht.

Wie kamst du zur Politik und ins Abgeordnetenhaus?

JT: Schon in der Schule habe ich festgestellt, dass Klassensprecher sein viel mehr ist als nur mit dem Lehrer quatschen und Tafel wischen, denn in vielen verschiedenen Gremien und den Gesamtschülervertretungen von der Schule, vom Bezirk und von ganz Berlin kann man sich einbringen, das ist total super! Nach meinem Abi vor zwei Jahren wollte ich die Projekte, die ich dort angefangen habe, weitermachen, denn die Arbeit hat viel Spaß gemacht. Deshalb wurde ich bei der Grünen Jugend (Jugendorganisation der Grünen, Anm. d. R.) aktiv, da die mir inhaltlich von der Position zu Themen wie Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Rassismus am nächsten waren. Ich habe mich dann bei den letzten Berlinwahlen für die Landesliste beworben, denn ich dachte: warum sollte ich nicht für’s Abgeordnetenhaus kandidieren? Ich hielt eine Rede vor 1000 Leuten und wurde in die Liste gewählt. Da ich einen guten Platz hatte, konnte ich mit dem Wahlergebnis ins Abgeordnetenhaus ziehen und deshalb sitze ich jetzt hier.

Du willst erreichen, dass Jugendlich ab 16 schon wählen dürfen. Glaubst du, dass das auch das Interesse von politikdesinteressierten Jugendlichen anregt?

JT: Viele Dinge, die für uns selbstverständlich sind, sind im Rest der Gesellschaft noch nicht angekommen: zum Beispiel, dass Menschen mit anderer Hautfarbe oder Sexualität nicht diskriminiert werden sollten. Deswegen gibt es bei Vielen dieses Desinteresse, man fühlt sich wie in einer Blase und versteht nicht, warum andere das nicht nachvollziehen können. Wir müssen das Wahlalter auf 16 senken um das zu ändern. Das alleine reicht aber nicht. Ein grundlegendes Problem unserer Gesellschaft ist, dass wir allen verständlich machen müssen, dass Politik alles ist: wie breit der Radweg ist, wann der Bus kommt, ob du dir ein Fahrrad leisten kannst. Das alles bildet sich letztendlich ab in politischen Entscheidungen. Politik betrifft alle und wir alle haben die Möglichkeit, uns einzumischen. Gerade jungen Leuten muss mehr zugetraut werden, die sind ziemlich fit, klug und können ’ne ganze Menge! Man muss also mehr Beteiligungsmöglichkeiten für Jugendliche schaffen, aber auch generell deutlich machen: wir sind eine Demokratie! Und diese Demokratie müssen wir auch leben.

Wer, glaubst du, lernt mehr im Abgeordnetenhaus, du von den Älteren oder die von dir?

JT: Ich glaube die von mir! (lacht) Nein, es ist schon ein beidseitiger Austausch. Ich erkläre schon ganz gerne Social-Media Zeug, falls meine Kollegen das nicht verstehen. Das ist schon immer ein bisschen witzig. Ich lerne natürlich auch viel über die Prozesse, über die Verwaltung, wie man ein Gesetz und eine Anfrage schreibt, das ganze „formale Arbeiten“ also. Ich gebe aber auch relativ viel Input, denn ich glaube meine Kolleg*innen finden es auch mal ganz angenehm, wenn die ein Thema haben, dass junge Menschen betrifft und ich ihnen weiterhelfen kann.

Du bist die jüngste Person die in Berlin bei der Politik mitmacht, was hast du denn überhaupt noch für Ziele für später?

JT: Wenn ich groß bin? (lacht)
Keine Ahnung, wer weiß. Politik wird mich immer begleiten. Man hat so viele Möglichkeiten! Allein in Berlin kann man ja tausende Dinge tun und tausende coole Jobs machen. Das Gute ist: ich als junger Mensch habe auch noch sehr viel Zeit mir zu überlegen was ich noch machen will. Vielleicht vernünftige Arbeit nach der Politik. (lacht laut) Was Ordentliches, wie bei der Feuerwehr!

Was muss sich groß verändern in der Welt?

JT: Viele Dinge müssen sich verändern! Ich glaube letztendlich haben wir ein Problem mit Kapitalismus. Kapitalismus ist ein Problem in der Gesellschaft, weil sich nicht alles rentiert und das sollte auch nicht der Maßstab sein. Ich finde, man sollte den Menschen in den Mittelpunkt stellen und wie wir möglichst gut miteinander in Freiheit zusammenleben können. Das ist das was ich mir wünsche: dass wir alle uns Respekt begegnen. Ich fänd‘ es schön, wenn wir in einer Welt leben würden, wo jeder so sein kann wie er ist. Aber das scheint noch ein bisschen zu dauern.

Ist es in Zeiten von Trump, Brexit und AfD wichtiger als je zuvor sich mit Politik auseinanderzusetzen, am meisten für uns jungen Menschen?

JT: Ich glaube es war immer wichtig! Wir müssen uns unsere Rechte noch erstreiten, denn Themen wie der Brexit sind Entscheidungen, die uns stärker betreffen werden als die Alten und das ist einfach nicht cool.
Jetzt ist es wichtiger denn je sich einzubringen! Dadurch, dass es jetzt möglich für uns ist unsere Zukunft mitzugestalten, sollten wir die Chance nutzen und gute Dinge draus machen.

Was empfiehlst du jedem Jugendlichen, der Interesse hat, sich in der Politik zu engagieren?

JT: Wichtig ist es zu verstehen, dass alle Dinge in der Welt veränderbar sind. Man muss das finden, was zu einem am besten passt, wo man sich einbringen will. Ich glaube, da kommt bei jedem was Gutes bei rum.

Danke für das Interview!

 

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